Hallo Victor — schön, dass du dir Zeit nimmst. Wer bist du, wo kommst du her, und seit wann und warum bist du mit dem Sachsenlauf Coswig verbunden?


Ich bin nach meinen Chemiestudium in die Industrie gegangen und habe als Technologe, in der Produktion und über viele Jahre im Vertrieb gearbeitet. Die Lauferei fing bei mir unspektakulär 1978 mit dem Rennsteiglauf an. Ein Kommilitone hatte mich dorthin gelockt da man die 42 km locker wandern könne…Einige Muskelkater später habe ich in der neu gegründeten Coswiger Laufgruppe mit dem regelmäßigen Lauftraining begonnen und später bei meinen Dienstreisen quer durch Europa immer die Laufschuhe dabei gehabt. 1980 fühlte ich mich beim 1. Sachsenlauf Coswig der 40 km Distanz gewachsen bin aber bei schwülwarmen Wetter mächtig eingebrochen.

Der Sachsenlauf Coswig war für mich bis zur Wende ein fixes Laufdatum. Der Einstieg in das sich neu formierende Organisationsteam erfolgte mit der Organisation des 1. Kleinen Sachsenlaufes im November 1990. Von da an hatte ich auch gleich den Hut auf, den ich arbeitsbedingt zwischenzeitlich auch an Jürgen Schildt abgeben konnte.

Wie verbindet man so eine große Aufgabe mit Familie und Beruf? Hast du Helfer und wer steht noch hinter der Organisation?

Unser Orgteam ist gut zusammengewachsen, die Aufgabenbereiche sind klar zugeordnet und meistens sind auch Familienmitglieder und Bekannte als Helfer eingebunden. Bisher konnten der Wechsel oder das Ausscheiden von Orgamitgliedern kompensiert werden, die Luft wird allerdings auch altersbedingt immer dünner. Hinter uns steht mit der TuS Coswig 1920 e.V. ein Mehrspartenverein der v.a. mit Helfern an den Verpflegungspunkten stark unterstützt.

Bis heute ist für mich der Juni für den Sachsenlauf geblockt und die Familie weitestgehend in die Organisation und als Helfer eingebunden.

Der Sachsenlauf hat eine lange Tradition. Was macht ihn besonders?

Der Sachsenlauf Coswig ist eine Traditionsveranstaltung, ursprünglich angeregt durch den Harzgebirgslauf mit zwischenzeitlichen Strecken- und organisatorischen Änderungen aber immer mit Herzblut und auf „familiärer“ Basis organisiert.

Was motiviert dich Jahr für Jahr, diesen Aufwand erneut auf dich zu nehmen?

Die Resonanz der Teilnehmer und die vielen ehrlichen Dankeschöns für die (fast) immer reibungslose Organisation motivieren und bringen uns dazu weiter zu machen.

Was sind die größten organisatorischen Herausforderungen?

Die Sachsenlauf Organisation wird eigentlich jährlich vor neue Herausforderungen gestellt, ob Wegesperrungen, Baumaßnahmen, nichtbezahlbare Auflagen für Sraßenquerungen bzw. Umleitungen, Nutzungsrechte…

Sorgen machen die Kostensteigerungen bei eigentlich allen Posten und andererseits der Verlust von bisherigen Sponsoren auf Grund von Insolvenzen und Verlagerungen. Bisher konnten wir bei unseren moderaten Startgebühren bleiben, aber wir werden wohl kaum um Anpassungen herum kommen.

Was wünschst du dir von Läufern und Teilnehmern des Sachsenlauf? Wohin soll sich der Lauf in den nächsten Jahren entwickeln? Mehr Teilnehmer, neue Strecken oder was könntet ihr euch vorstellen?

Ich wünsche mir von unseren Teilnehmern das sie unser traditionelles Konzept des Laufens im Forst, auf Wiesen und befestigten Wegen auch in Zukunft mittragen und dem Sachsenlauf treu bleiben. Das Streckenkonzept soll so wie es ist, erhalten bleiben: Keine Straßenquerungen mehr auf der Strecke und Angebote vom Kinderlauf bis zum Halbmarathon, darüber hinaus Walking- und Wanderangebote.

Was begeistert dich persönlich am Laufen? Und, wie trainierst du dafür?

Ich bin selber begeisterter Läufer und trainiere mittlerweile regelmäßig mit der Laufgruppe „Laufen in Radebeul“. Neben regionalen traditionellen Wettkämpfen suche auch ich besondere Hypes im Ausdauerbereich ( O-Seetrail, Zittauer Gebirgslauf, Harzgebirgslauf, SkyRace…Vasaloppet, Piastenlauf, Stoneman Miriquidi…)

Was macht den Menschen Victor Berger aus? Was würden andere über dich sagen?

Ich denke, dass ich relativ ruhig und strukturiert an die Dinge gehe ausgleichend wirke, also Leute zusammen bringen kann


Was ist dein persönlicher Lieblingsmoment beim Sachsenlauf? Und, gab es eine Anekdote die dir immer im Gedächtnis geblieben ist?

Lieblingsmoment: Die Siegerehrungen sind durch und alles hat geklappt!

Anekdote: Anfang der 90ziger hatten wir einen B1000 Lautsprecherwagen organisiert und mit kräftiger Stimme wurde „Heraus zum Sachsenlauf“ gerufen – wir hatten anschließend Ärger mit der Friedhofsverwaltung…

Anekdote: Mitten im Wettkampf kam unser ehemaliger Wettkampfarzt zu mir und fragte ob wir die Strecke geändert hätten: früher kamen die Läufer immer von rechts nach links jetzt aber verstreute Truppenteile von links nach rechts? Da waren Vandalen und Dumme im Wald und hatten Streckenmarkierungen entfernt und in falscher Richtung neu angebracht. Der einzige Sachsenlauf der „schiefging“! (betraf damals die 11 km Strecke)