Seit diesem Jahr kooperieren der Laufkalender Sachsen und Shutter Speed Running um euch mehr vom Laufen in Mitteldeutschland zu zeigen. In Videos und in ungewohnt humorvoller und auch längerer Form, entdeckt ihr so altbekannte, aber auch neue Läufe. Wir sprachen mit Undine und Erik, den Köpfen hinter diesem Projekt.

Hallo Undine, hallo Erik — schön, dass ihr da seid! Erzählt doch bitte kurz: Wer
seid ihr, wo kommt ihr her und was macht ihr, wenn ihr nicht gerade lauft oder humorvolle Videos macht?

Wir kommen beide aus dem Medien- bzw. Filmbereich und haben über viele Jahre sowohl vor als auch hinter der Kamera gearbeitet. Jeder von uns hat seine Stärken, sei es im Kamera-, Schnitt- oder Tonbereich, und das gibt uns die Möglichkeit, uns gegenseitig bei jedem Projekt sehr gut zu ergänzen. Was wir machen, wenn wir nicht gerade laufen oder Videos machen? Wir reden darüber. Planen Läufe und Veranstaltungen, und wie wir sie umsetzen können.

Undine und Erik halten stolz beim Dresden Halbmarathon 2025 ihre Finishermedaille in die Kamera

Wie seid ihr zum Laufen gekommen? Gab es einen Anlass?

Einen speziellen Anlass gab es nicht; wobei vielleicht doch: unsere Laufreisen begannen sehr unterschiedlich – die eine vor zwanzig Jahren, die andere erst im vergangenen Jahr. Wirklich ausschlaggebend war Undines erster Lauf am ersten Mai 2024, mit einem Paar Laufschuhe, dass zuvor noch nie für diesen Zweck genutzt worden war. Ein spontaner erster Lauf an einem sonnigen Tag, die Idee, einfach mal laufen zu gehen. Der Rest ist und wird Geschichte 🙂

Euer Kanal auf youtube heißt „Shutter Speed Running“. Was hat euch dazu gebracht, Läufe dort zu dokumentieren, anstatt „nur“ mit Freunden oder für euch privat zu laufen?

Dazu müssten wir ein bisschen ausholen. Tatsächlich wollten wir anfangs unsere Laufreise nur für uns selbst dokumentieren. Jetzt ist es aber so, dass wir beide aus der Medienbranche stammen und nicht nur das Laufen, sondern auch Filme lieben. Von Anfang an wollten wir, dass man sich das Material auch in ein paar Jahren noch gerne anschaut, Spaß am betrachten hat und ja – eben ein bisschen mehr erzählt, als übliche Youtube – Videos. Da wir beide sowohl vor, als auch hinter der Kamera gearbeitet haben, kam dann eins zum anderen. Wir haben uns überlegt, welche Technik wir benötigen würden und unser Equipment ist zeitgleich mit unserem Trainingsfortschritt gewachsen. Ebenso unser Anspruch an die Videos selbst. Irgendwann dieses Jahr haben wir uns gedacht, warum das Ganze nicht veröffentlichen und mit der Laufwelt draußen teilen. Und jetzt sind wir eben da.

Der Name Shutter Speed Running ist übrigens bei der Anmeldung für unseren ersten Wettkampf; den berühmten Sportscheck Lauf entstanden, den wohl viele Einsteiger als erstes machen. Shutter Speed ist ein Begriff aus der Kameratechnik und ein Maß auf das man achten muss, wenn man zum Beispiel Sportler fotografiert oder filmt. Das schien uns passend. Wie schon gesagt – wir kommen aus der Medienbranche 😉

Wie sieht das konkret aus — ein typischer Ablauf von euch (Training, Event, Film, Upload)? Wie plant ihr eure Läufe: spontan, oder mit festen Zielen/ Veranstaltungen?

Unser Training ist speziell, denn zum einen trainieren wir ganz normal für die jeweilige Distanz, eben Halbmarathon – oder Marathon. Zum anderen trainieren wir das Filmen beim laufen. Das ist nämlich gar nicht mal so einfach, nicht nur durch das zusätzliche Gewicht, sondern auch wegen der passenden Pace, die man finden muss.

Wir können einen Wettkampf nicht einfach durchlaufen, sondern passen uns jeweils aneinander, an die Strecke und natürlich an die optischen Highlights an. Dafür müssen wir ab und zu anhalten, um zu drehen, dann wieder Zeit aufholen und natürlich keine und keinen der anderen Läuferinnen und Läufer behindern.

Da wir währenddessen auch noch moderieren ist das Ganze so anspruchsvoll, dass wir das regelmäßig in unsere Longruns integrieren müssen. Eine andere Sache sind noch unsere Ankündigungsvideos, oder die Streckenbeschreibungen im Vorfeld. Jedes Event hat seinen eigenen Charakter und das möchten wir gerne hervorheben und mit den Streckenbeschreibungen den Leuten Lust aufs mitlaufen machen. Für jedes Video überlegen wir uns ein passendes Konzept, scripten die Texte, erstellen einen Drehplan, suchen Drehorte – eben ganz, wie bei einem richtigen Spielfilm. Danach folgen Schnitt, Ton, Musik, Bildbearbeitung, das nimmt schon einige Zeit in Anspruch, deshalb planen wir auch unsere Wettkämpfe lange im Voraus.

Das Video eines Events selbst ist natürlich noch mal anders, denn viel Material müssen gesichtet und montiert werden, und auch dann kann es noch Änderungen am ursprünglichen Plan geben, weil immer unvorhersehbare Dinge geschehen.

Undine und Erik laufen glücklich gemeinsam ins Ziel in Bibione ein

Gab es einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: „Ja – das Laufen plus Videos kann mehr sein als Hobby“? Vielleicht ein konkretes Erlebnis?

Der finale Auslöser war unser erster Halbmarathon dieses Jahr in Trieste. Das war so wunderschön, man lief am Meer entlang, überall gab es was zu sehen und zu entdecken. Bei der Aussicht auf Schloss Miramar sind wir dann einfach zum filmen stehen geblieben und haben uns gedacht das ist ja wie “Sightseeing in slow Pace“ – unser Motto war geboren und der Wunsch das ganze professionell aufzuziehen.

Wie beeinflusst euch das Laufen und Filmen persönlich — motiviert, fordert, verändert es euren Alltag?

Es motiviert und fordert gleichermaßen, könnte man sagen. Manchmal vermissen wir es einfach nur “so“ für uns zu laufen, einen Wettkampf nur für uns zu machen. Die Gedanken kommen uns beiden regelmäßig. Wenn wir aber hören oder lesen “das ist ja ein tolles Video“ oder “jetzt hab ich auch Lust bekommen dort zu laufen“ oder uns jemand schreibt, welche Distanz sie oder er planen oder einfach die Frage “kommt ihr wieder? Seit ihr auch mit dabei?“ – dann ist das Motivation und Freude pur.

Können Laufveranstalter von euren Videos profitieren — und wenn ja: wie?

Wenn wir an einer Laufveranstaltung teilnehmen, berichten wir aus der Sicht von Läufern. Wir erzählen, was uns positiv auffällt, was vielleicht nicht so passt, und, was die jeweilige Strecke an Blickfängen zu bieten hat, und das eben auf ganz individuelle Weise und mit schönen Bildern. Davon können Laufveranstalter mit Sicherheit profitieren, denn wir schaffen eine andere Perspektive, die jeder Veranstaltung etwas Besonderes und damit auch etwas Unterscheidbares verleiht.

Was wäre nötig, damit Zusammenarbeit mit Veranstaltern wirklich gut funktioniert?

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit wünschen wir uns vor allem eine gute Kommunikation. Das ist die Basis für gute Ergebnisse, die bei denen, die man erreichen möchte ankommen.

Undine und Erik im Ziel des Mitteldeutschen Marathons Halle

Welche Botschaft möchtet ihr Leuten mitgeben, die vielleicht unsicher sind, ob sie mit Laufen anfangen sollen, oder Angst vor einem Marathon haben?

Da gibt es eigentlich nur zwei Tipps, die sich für fast alle Ziele im Leben eignen: Anfangen und dranbleiben! Macht euch nicht zu viele Gedanken, fangt langsam an und gebt euch selbst Zeit um in den Laufsport rein zu finden. Wenn ihr noch nie gelaufen seid, muss euer Körper erst mal lernen, mit den ungewohnten Bewegungsabläufen klar zu kommen. Habt also Geduld, und wenn ihr dann dranbleibt, weiter macht – Schritt für Schritt – ist letztendlich jede Distanz machbar. Wer sich mehr Tipps wünscht, oder Fragen hat: meldet euch gerne. Wir haben inzwischen einiges an Trainingserfahrung und freuen uns immer über Austausch.

Zum Abschluss: Was sind eure Pläne — persönlich, läuferisch, filmisch?

Für die Zukunft wünschen wir uns noch ganz viele tolle Begegnungen mit anderen laufverliebten Menschen, spannende Events, die wir richtig gut erzählen können und dass Undine mit einem Lächeln ihren ersten Marathon ins Ziel bringt.